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Hospital
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Hospital, kurz Spital (Plural Hospitäler bzw. Spitäler), ist eine Bezeichnung fßr Pflegeheime, Altenheime und Krankenhäuser. Ursprßnglich bezeichnete es die meist christlich gefßhrten Pilgerherbergen und Armenhäuser.
Contents
⢠Begriff
⢠Geschichte
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Begriff
Die bereits im Mittelhochdeutschen verwendeten Begriffe hospital und spital, volkstĂźmlich auch spittel, stammen beide von lateinisch hospitÄle âGastzimmer, Herbergeâ (seit dem 4. Jahrhundert, Neutrum von hospitalis âgastfreundlich, zum Gastwirt gehĂśrendâ, abgeleitet von hospes âGastfreund, Gastwirt; Gastâ).
Die in ein Hospital aufgenommenen hieĂen Hospitaliten.cite-ref-3[3]
Je nach Art der Einrichtung wurden Hospitäler auch als Seelhaus, Bruderhaus, Nosocomium (von altgriechisch νĎĎÎżĎ nĂłsos, deutsch âKrankheitâ und κοΟξáżÎ˝ komeĂŽn, deutsch âpflegenâ), Prestenhaus, (Sonder-)Siechenhaus, Leprosorium, Pesthaus oder Blatternhaus bezeichnet. Seit der Einrichtung moderner Krankenhäuser Anfang des 19. Jahrhunderts werden diese nur noch in einigen Gegenden Deutschlands und fallweise in Ăsterreich als Hospital, in Ăsterreich aber bevorzugt und in der Schweiz fast ausschlieĂlich als Spital bezeichnet.cite-ref-4[4]
Leiter des Hospitals war in der Regel ein Geistlicher und wurde Hospitalmeister oder Spitalmeister, lateinisch Hospitalarius, davon abgeleitet auch Hospitaliter, Hospitaler, Spitteler oder Spittler genannt.cite-ref-5[5] Diese wurden in den Hospitalorden der KreuzzĂźge vom GroĂhospitaliter oder GroĂspittler beaufsichtigt (vgl. GroĂspittler des Deutschen Ordens).
Aus hospitale in der Bedeutung Herberge entwickelte sich Ăźber altfranzĂśsisch (h)ostel die WĂśrter Hotel und Hostel.
Geschichte
Vorläufer der Hospitäler waren die um das 4. Jahrhundert auch in Gallien und Italien aufkommenden, ostrĂśmischen Xenodochien. Diese waren christlich geprägt, boten Fremden, Gästen, Pilgern, HilfsbedĂźrftigen, Kranken, Armen, Gebrechlichen, Witwen und Waisen Zuflucht. Vor allem auf der Regel des Benedikt von Nursia beruhten die sich im 6. Jahrhundert entwickelnden klĂśsterlichen Hospitäler, die im Mittelalter neben bischĂśflichen oder stiftischen Spitälern Armen, Pilgern und Kranken Hilfe boten.cite-ref-6[6] Die Abtei von St. Maurice soll bereits im 8. Jahrhundert ein Fremdenspital besessen haben.cite-ref-7[7] Im Jahr 816 bestimmte die Aachener Synode, dass jedes Kloster oder Kollegiatstift Ăźber die Einrichtung eines hospitale verfĂźgen solle. Der Grundriss von Klosterspitälern bzw. klĂśsterlichen Spitalanlagen entsprach im Allgemeinen dem Plan des Klosters St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert.cite-ref-8[8] Seit einem Dekret von Papst Clemens V. aus dem Jahre 1312 brauchten die Hospitäler nicht mehr zwingend Kirchengut im engeren Sinn von Besitztum und VerfĂźgungsgewalt zu sein. Als karitative Einrichtungen besaĂen sie aber weiterhin kirchlichen Charakter. Jedermann konnte nun zum Heil seiner Seele ein Hospital grĂźnden und auf eigene Rechnung betreiben, musste aber die Erlaubnis des Bischofs einholen, wenn er eine Spitalkirche, Kapelle, einen Altar oder einen Friedhof eingliedern und einen Spitalgeistlichen einstellen wollte.
Viele Spitäler wurden in Form von Stiftungen, den Hospitalstiftungen, gegrßndet und gemeinnßtzig gefßhrt. Die meisten verblieben in der Rechtsform der Stiftung. Wenige wurden zu Vereinen umgewandelt. Ein Beispiel fßr ein frßhes Hospital in Deutschland, das von einer Familie aus deren VermÜgen gegrßndet und bis zum Tode des Grßnders auch von diesem geleitet wurde, war das Hospital von Johann Twente und seiner Frau. Es wurde im Jahre 1339 vor den Toren der Stadt Osnabrßck gebaut und Mitte des 16. Jahrhunderts in den ehemaligen Twenteschen Besitz in der Altstadt verlegt.
Zu den ältesten noch bestehenden Spitälern in Deutschland zählen das 1267 erstmals erwähnte Hospital zum heiligen Geist in Frankfurt am Main, das 1308 gestiftetecite-ref-9[9] Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar sowie das 1316 gestiftete Bßrgerspital zum Heiligen Geist in Wßrzburg.
Die Aufgaben der Spitäler waren mannigfaltig und basierten auf den Werken der Barmherzigkeit: Speisung, Aufnahme und Bekleidung der Armen, Beherbergung der Fremden, Pflege der Alten und Kranken sowie Bestattung der Toten. Kommunalisierung, Verpfrßndung (d. h., die Insassen kauften sich mit der Erwerbung von Pfrßnden ein) und Spezialisierung waren die Tendenzen, die das Spitalwesen seit dem 14. Jahrhundert in den Städten bestimmten. Bestimmte Einrichtungen waren als Hohes Hospital etabliert.
In dieser Tradition fĂźhren noch heute die sozialen Einrichtungen der beiden groĂen Kirchen in Deutschland, die evangelische Diakonie und die katholische Caritas sowie deren angegliederte kirchliche Träger viele Pflege-, Alten- und Behinderteneinrichtungen, so zum Beispiel die Evangelische Heimstiftung in Baden-WĂźrttemberg mit mehr als 6000 Heimplätzen und 5500 Beschäftigten.
Um die Wende zum 14. Jahrhundert ging im deutschsprachigen Raum die Verwaltung zahlreicher Hospitäler in die Hände städtischer Obrigkeiten ßber.cite-ref-10[10]
Nach der Definition der Historikerin Claudia Tiggemann-Klein sind Gesundheitsfßrsorge, Wohltätigkeitssinncite-ref-11[11] und FrÜmmigkeit die drei Grundpfeiler des Hospitalwesens. Als Beispiele frßher Hospitäler, die heute nicht mehr als solche genutzt werden, gelten etwa die Einrichtungen
⢠GroĂes Hospital
Hospitäler, die auch in der Gegenwart noch der Altenpflege und Krankenpflege dienen, sind beispielsweise
⢠Hospital zum Heiligen Geist (Fritzlar)
⢠Stiftung Juliusspital Wßrzburgcite-ref-12[12]
Siehe auch
⢠Hospitalorden
⢠Cottage Hospital
⢠Hôtel-Dieu
⢠Hospitalkirche
⢠Hospitium
⢠Hospiz
⢠Infirmerie
⢠Studienhospital
⢠Valetudinarium
Literatur
⢠Friedrich Arnd, Fritz Heinrich, Christina Vanja: Das Hospital am Beginn der Neuzeit. Soziale Reform in Hessen im Spiegel europäischer Kulturgeschichte. Imhof, Petersberg 2004, ISBN 3-86568-001-1.
⢠Lothar Beinke: Die Familie Twente â Richter, BĂźrgermeister und HospitalgrĂźnder. Lang, Frankfurt 2010, ISBN 978-3-631-59998-3.
⢠Conrad Brunner: Ăber Medizin und Krankenpflege im Mittelalter in Schweizerischen Landen. Orell FĂźssli, ZĂźrich 1922 (= VerĂśffentlichungen der Schweizerischen Gesellschaft fĂźr Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Band 1), S. 5, 14, 16â27, 88â147 (Die HospitalgrĂźndungen und Ritterliche und andere Krankenpflegerschaften in der Schweiz) und Ăśfter.
⢠Neithard Bulst, Karl-Heinz SpieĂ: Sozialgeschichte mittelalterlicher Hospitäler. Thorbecke, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7995-6865-4.
⢠Artur Dirmeier (Hrsg.): Organisierte Barmherzigkeit. Armenpflege und Hospitalwesen in Mittelalter und Frßher Neuzeit. Pustet, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7917-2297-9.
⢠Dieter Jetter: Geschichte des Hospitals. 6 Bände. Steiner, Wiesbaden 1966â1987 (Band 1, Westdeutschland von den Anfängen bis 1850 = Sudhoffs Archiv. Vierteljahrsschrift fĂźr Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften der Pharmazie und der Mathematik. Beiheft 5, ISBN 3-515-00288-X).
⢠Dieter Jetter: Das europäische Hospital. Von der Spätantike bis 1800. DuMont, KÜln 1986; 2. Auflage ebenda 1987, ISBN 978-3-7701-1560-0.
⢠Dieter Jetter: Bauwerke der Nächstenliebe. In: Die Waage. Band 15, Nr. 3, 1976, und Band 16, Nr. 3, 1977.
⢠Dieter Jetter: Grundzßge der Hospitalgeschichte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1973 (= Grundzßge. Band 22), ISBN 978-3-534-06020-7.
⢠Peter Kolb: Das Spitalwesen. In: Peter Kolb, Ernst-GĂźnter Krenig (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte. 5 Teil in 7 Bänden. Echter, WĂźrzburg 1989â2002, Band 2 (1992), S. 357â373, und Band 3 (1995), S. 627â661.
⢠Michael Matheus: Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich. Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08233-6.
⢠Heinrich Meyer zu Ermgassen: Hospital und Bruderschaft. Gästewesen und Armenfßrsorge des Zisterzienserklosters Eberbach in Mittelalter und Neuzeit. Historische Kommission fßr Nassau, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-930221-32-5.
⢠Christian Probst: Das Hospitalwesen im hohen und späten Mittelalter und die geistliche und gesellschaftliche Stellung des Kranken. In: Sudhoffs Archiv. Band 50, 1966, S. 246â258.
⢠Cay-RĂźdiger PrĂźll, Ulrich TrĂśhler: Hospital. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 620â621.
⢠Hans-Peter Rhomberg: Das Hospital. Heil- und Pflegestätten im Wandel der Zeit. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2015, ISBN 978-3-89870-898-2.
⢠Claudia Tiggemann-Klein, Anselm Tiggemann: Das St. Marien-Hospital im Herzen KÜlns. Gesundheitsfßrsorge, Wohltätigkeitssinn und FrÜmmigkeit. Bachem, KÜln 2004, ISBN 3-7616-1862-X.
⢠Carlos Watzka: Vom Hospital zum Krankenhaus. Zum Umgang mit psychisch und somatisch Kranken im frßhneuzeitlichen Europa. BÜhlau, KÜln 2005, ISBN 3-412-25205-0.
⢠Alfred Wendehorst: Mainfränkisches Spitalwesen im Mittelalter. In: Alfred Wendehorst: Das Juliusspital in WĂźrzburg. Band I: Kulturgeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital WĂźrzburg anlässlich der 400-jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung, Fränkische Gesellschaftsdruckerei WĂźrzburg, WĂźrzburg 1976, S. 5â26.
⢠Wolfgang WĂźst: Armut und Besitz, FrĂśmmigkeit und FĂźrsorge. Spitäler in Mittelalter und FrĂźher Neuzeit. Die Zucht- und Policeyordnung des Heilig-Geist-Spitals in Augsburg von 1764. In: Zeitschrift des Historischen Vereins fĂźr Schwaben. Band 108, 2016, ISBN 978-3-95786-066-8, S. 185â234.
Weblinks
Wiktionary: Hospital
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Spital
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Literatur von und ßber Hospital im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Tagungsbericht: Spital und Wirtschaft. Lebensstandard in historischer Perspektive. H-Soz-Kult vom 6. Mai 2019
Einzelnachweise
cite-note-11. Marcus Cante: Landkreis Barnim. Stadt Eberswalde (= Brandenburgisches Landesamt fĂźr Denkmalpflege im Auftrag Ministerium fĂźr Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg [Hrsg.]: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Brandenburg. Band 5.1). 1. Auflage. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1997, ISBN 3-88462-136-X, Stadtteil Nordend. Breite StraĂe (ehem. Stettiner StraĂe). Hospitalkapelle St. Georg, S. 146â149.
cite-note-22. Mittelalterliche Leprosenhäuser im heutigen Brandenburg und Berlin. In: Lepramuseum Mßnster-Kinderhaus. Gesellschaft fßr Leprakunde e. V., archiviert vom Original (nicht mehr online verfßgbar) am 11. Oktober 2016; abgerufen am 6. März 2017. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprßft. Bitte prßfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lepramuseum.de
cite-note-44. â Nikolaus Bernau: Was ist eigentlich ein Hospital ? â Deutschlandfunk.de, 26. März 2020
cite-note-55. â Conrad Brunner: Ăber Medizin und Krankenpflege im Mittelalter in Schweizerischen Landen (= VerĂśffentlichungen der Schweizerischen Gesellschaft fĂźr Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Band 1). Orell FĂźssli, ZĂźrich 1922, S. 26â27 und 108.
cite-note-66. â Peter Kolb: Das Spital- und Gesundheitswesen. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt WĂźrzburg. 4 Bände, Band I-III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Ăbergang an das KĂśnigreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1â2: Vom Ăbergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001â2007, Band 1, 2001, S. 386â409 und 647â653, hier: S. 386.
cite-note-77. â Conrad Brunner: Ăber Medizin und Krankenpflege im Mittelalter in Schweizerischen Landen (= VerĂśffentlichungen der Schweizerischen Gesellschaft fĂźr Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Band 1). Orell FĂźssli, ZĂźrich 1922, S. 10.
cite-note-88. â Conrad Brunner: Ăber Medizin und Krankenpflege im Mittelalter in Schweizerischen Landen 1922, S. 16â27.
cite-note-99. â Historie. Abgerufen am 2. Dezember 2021.
cite-note-1010. â Barbara Krug-Richter: Alltag und Fest. Nahrungsgewohnheiten im Magdalenenhospital in MĂźnster 1558â1635. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und frĂźher Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.â9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit einem Register von Ralf Nelles. Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4156-X, S. 71â90, hier: S. 72â73.
cite-note-1111. â Vgl. auch Marie-Luise Windemuth: Das Hospital als Träger der ArmenfĂźrsorge im Mittelalter (= Sudhoffs Archiv. Beiheft 36). Stuttgart 1995.
cite-note-1212. â Vgl. etwa Rudolf W. Kuhn: Das WĂźrzburger Juliusspital. 375 Jahre Spital und Altersheim des Fränkischen Landes. In: Frankenspiegel. Band 2, 1951, Heft 5.